Die Gründung

Am 23. Oktober 1984 kamen ein Mädchen und vierzehn Jungen im Feuerwehrgerätehaus Wenden zusammen, um erstmals eine gemeinsame Probe zu absolvieren. Der Beginn einer 25-jährigen Erfolgsgeschichte.

Die Vorgeschichte ist schnell erzählt. Schon lange war es vielen Wendenern und Möllmickern ein Dorn im Auge gewesen, dass in der Ortschaft Wenden kein eigener Musikverein ansässig war. Viele Initiativen zur Gründung eines Blasorchesters verliefen zunächst im Sande. Bis auf eine, die der Wendener Feuerwehr. Den Blauröcken war es leid, dass sie als einzige Wehr im Kreis Olpe ohne „eigenen“ Musikzug auflaufen mussten. Nachdem der Rat der Gemeinde Wenden der Gründung eines Musikzuges der Feuerwehr grünes Licht gegeben hatte, wurde ein offizieller Gründungsbeschluss gefasst und eine Satzung erarbeitet. Zahlreiche Familien und der Wendener Löschzug unterstützten das Vorhaben finanziell und ideell und mit dem Wendener Stefan Weingarten wurde ein engagierter musikalischer Leiter gefunden.

Aber: Ohne Musiker konnte es letztlich keinen Musikzug geben. In einem Rundschreiben an die Wendener und Möllmicker Haushalte wurden interessierte Jugendliche und ihre Eltern eingeladen, um sich über die Ziele und die Möglichkeiten eines Blasorchesters zu informieren. Die ersten Instrumente wurden angeschafft und qualifizierte Lehrer für den Anfangsunterricht gewonnen.

Um den bis dato noch nicht spielfähigen Musikzug allmählich ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, musizierte bereits 1984 ein Blechbläser-Quartett, bestehend aus Stefan Weingarten (Posaune), Wolfgang Sidenstein (Tenorhorn) sowie den Trompetern Josef Schulte und Thomas Giesen.

Alle vier Musiker sollten auch in Zukunft die Geschicke des Vereins mitbestimmen und an seiner positiven Entwicklung wesentlichen Anteil haben. Vielen Dank!

In der Folgezeit musste nun ein geschäftsführender Vorstand für den jungen Verein gefunden werden. Die ersten sechs Monate hatte Hans-Werner Bäcker in Personalunion den Musikzug als Vorsitzender, Geschäftsführer und Kassierer geleitet. Mit dem gebürtigen Hünsborner Rudi Winnersbach wurde schließlich ein Kandidat für das Amt des ersten Vorsitzenden gefunden, der den Musikzug Wenden die ersten 15 Jahre maßgeblich mit aufgebaut und geprägt hat.

1985 wurde das Jahr der Premieren. Noch ohne Uniformen aber mit großer Begeisterung wurden die ersten Auftritte absolviert, unter anderem beim Pfarrfest und beim Kommersabend anlässlich des 525-jährigen Jubiläums der Wendener Schützenbruderschaft.

Jahre der Entwicklung
Am 15. April 1986 sollte der Musikzug den ersten Florianstag der Wendener Feuerwehr musikalisch gestalten. Für das Konzert war man gut gewappnet. Vor dem Konzert sollte jedoch von der Pfarrkirche zum Feuerwehrhaus marschiert werden. Das Blasen klappte mittlerweile leidlich, laufen konnte sowieso jeder (wenn auch nicht marschieren), und so versprach die anstehende Marschprobe keine besonders heikle Angelegenheit zu werden. Aber nicht  auf die Straße, sondern auf die Noten zu schauen, ohne dabei vom Weg abzukommen, den linken Fuß immer wieder pünktlich auf die „1“ zu zwingen, ohne dabei den Vordermann umzurennen, den rechten Abstand zum Nachbarn einzuhalten, ohne das Blasen zu vergessen, all dies bereitete Vielen Schwierigkeiten.

Bild: Marschprobe am Konrad-Adenauer-Schulzentrum

Eine marschierende Blasmusik gehörte selbstverständlich auch in eine Uniform. Und so war dank der Unterstützung seitens der Gemeinde Wenden am Floriansfest 1986 nicht nur Marschier-,  sondern auch Uniformpremiere.

Der Aufbau einer eigenen Tanzmusik im Jahr 1988 war sowohl musikalisch als auch finanziell ein schwieriges Unterfangen. Doch enorme eigene Anstrengungen und großzügige Spenden halfen, das Projekt auf die Beine zu stellen. Natürlich musste auch ein passender Name gefunden werden; sinnvoll, originell und einprägsam sollte er sein. Die Wahl fiel schließlich auf „Tonight“.

1990 gelang es dem Musikzug sich in der Riege der heimischen Musikvereine zu etablieren. Einerseits wegen des ersten Jahreskonzertes in der Aula des Konrad-Adenauer-Schulzentrums, andererseits wegen der erstmaligen Übernahme einer Festmusik auf dem Schützenfest in Brün.

...die Zeit bis heute

Nach der Verpflichtung durch den Schützenverein Brün konnte der Musikzug auch in anderen Orten der Gemeinde die Festmusik übernehmen: Es folgten die Schützenfeste in Wenden, Heid, Gerlingen, Altenhof, Hünsborn, Hillmicke und Scheiderwald. Im Lennestädter Raum kam es seit 1995 ebenfalls zu langfristigen Verpflichtungen auf den Schützenfesten in Meggen, Elspe und Grevenbrück und Bilstein.

Ein weiterer Höhepunkt war die Teilnahme beim 1. Landesmusikfest am 20. April 1991 in Geseke. Hatte der Musikzug bisher viel positive Kritik aus dem heimischen Raum erfahren, so wollte man jetzt genauer wissen, wo man eigentlich stand, wie man im überregionalen Vergleich mit anderen Musikkapellen abschnitt und welches Urteil professionelle Experten abgeben würden. Der Musikzug entschied sich nach reiflicher Überlegung, mit dem Pflichtstück „Festival in Silber“ und dem Wahlstück „Allessandro Stradella“ in der Kategorie „Oberstufe“ anzutreten. Diese Stufe zu wählen war weniger jugendliche Risikofreude und auch nicht Selbstüberschätzung, sondern eher die Suche nach einer neuen Herausforderung. Und diese wurde mit Bravour bewältigt. Der Wertungsbericht der Jury beginnt mit den Worten „Die Wertungsspiel-Vorträge des Musikzuges Wenden zählen zu den herausragenden Leistungen beim 1. Landesmusikfest in Geseke.“ Folgerichtig bekamen die Wendener Musiker die höchstmögliche Bewertung „1. Rang mit Auszeichnung“ mit 120 erreichten von 120 möglichen Punkten.

Aber dieser Erfolg sollte keine Eintagsfliege bleiben. Seit der ersten Teilnahme in Geseke stellt sich der Musikzug in der Kategorie „Oberstufe“ regelmäßig mit großem Erfolg den Wertungsrichtern: So auch beim 2. Landesmusikfest 1994 in Erkelenz, sechs Jahre später beim 4. Landesmusikfest in Mönchengladbach und beim 5. Landesmusikfest 2004 in Olpe.  Eine Premiere der besonderen Art war die Teilnahme am 6. Landesorchesterwettbewerb 2003 in Wuppertal. Mit 20,9 von 25 möglichen Punkten erspielten sich die Wendener Musiker mit den symphonischen Werken „Nostradamus“ und „El Camino Real“ sofort den hervorragenden dritten Platz aller teilnehmenden Orchester.
Die Teilnahme am Bundesmusikfest 2007 in Würzburg beschloss vorläufig die Reihe erfolgreicher Wertungsspielauftritte des Musikzuges. Die Musiker um Ewald Metzger traten in der Oberstufe an und konnten mit „Ukrainian Rhapsody“ und „Noah´s Ark“ das höchste Prädikat „mit hervorragendem Erfolg“ erringen.

Doch noch einmal zurück ins Jahr 1994. Zehn Jahre war der Musikzug nun schon alt und es bot sich an, dieses kleine „Jubiläum“ groß zu feiern.
Es wurde ein Festwochenende veranstaltet mit allem, was so dazu gehört: Ein Kommersabend mit den Wendener Vereinen und Bürgern, ein Nachmittag mit befreundeten Musikvereinen und nach dem Kirchgang ein zünftiger Frühschoppen am Sonntagmorgen.
Für die Festmusik am Samstagabend und Sonntagmorgen konnten die „Pfälzer Land-Musikanten“ gewonnen werden.

Unter der Leitung von Ludwig Grünewald wusste auch der „Heidschnuckenchor“ – ein musikalisches Eigengewächs des Musikzuges, gegründet 1991 bei einem Ausflug nach Winsen an der Aller – das Publikum mit exzellentem Chorgesang zu begeistern.

Ein Geschenk zu ihrem ersten Jubiläum machten sich die Musiker dann selbst. Erstmals in seiner jungen Geschichte unternahm der Musikzug einen mehrtägigen Ausflug und zwar bewusst ohne Instrumente. Das Ziel war Hamburg und es wurde ein unvergessliches Wochenende. Die Vereinsfahrt nach Hamburg war aber nur der Auftakt einer Reihe von Zielen, die der Musikzug im Laufe der letzten Jahre besucht hat: Im Jahr 2000 war man zu Besuch in Trier, 2002 in München, 2006 waren die Städte Speyer, Heidelberg und Mannheim das Ziel und 2009 Freiburg im Breisgau.

In das Jahr 1995 fällt die Produktion der ersten CD des Musikzuges, gemeinsam aufgenommen mit dem MGV Wenden 1859. Im April des Jahres wurden im Rathaus und im Pfarrheim die Musikstücke zur CD „Sei uns gegrüßt du Wendener Land“ eingespielt. In der Vorbereitungsphase auf das Jubiläumsjahr fiel die Entscheidung, einen zweiten Tonträger zu erstellen. So entstand im April 2008 die CD „Ein Frühschoppenkonzert“. Auch hier konnte man den MGV Wenden gewinnen, um gemeinsam den „Ambrosianischen Lobgesang“ aufzunehmen.

Ein weiteres „Großprojekt“ hat seine Wurzeln ebenfalls im Jahr 1995. Das stetig wachsende Instrumentarium und Notenmaterial des Musikzuges und die häufigen Überschneidungen in der Nutzung des Versammlungsraums durch den Wendener Löschzug und den Musikzug führten zu der Entscheidung, ein eigenes Musikhaus zu bauen. Gestützt auf die vielen passiven Mitglieder mit ihrer Tatkraft und ihren Mitgliedsbeiträgen und auf die durch viele lukrative Schützenfeste wesentlich verbesserte Kassenlage, wagte der Musikzug den Schritt in Richtung Eigenheim und begann im Juni 1995 mit dem ersten Spatenstich. Im Juli 1997 endete die über zweijährige intensive Bauphase. Nach gründlicher Renovierung im Sommer 2006 erstrahlt das Musikhaus nun wieder in altem Glanz.

Zwar lag das Durchschnittsalter der Wendener Musiker weit unter dem üblichen Schnitt der anderen Musikvereine, nichts desto trotz gründete der Musikzug schon Anfang der neunziger Jahre ein Jugendorchester, um dem musikalischen Nachwuchs ein gemeinsames Musizieren zu ermöglichen und die jungen Aktiven gezielt in Richtung Hauptorchester zu führen. Leiter dieses Jugendorchesters war zunächst Franzl Nicklas, gleichzeitig auch stellvertretender Dirigent des Musikzuges. Im Jahr 1999 übernahm Angelika Breidebach (geb. Gundermann) das Orchester und leitet dieses nun seit zehn Jahren.

Da innerhalb des Jugendorchesters im Laufe der Zeit die alters- und leistungsbedingte „Schere“ immer weiter auseinander ging, entschloss sich der Musikzug im Jahr 2002, dem Jugendorchester ein Vororchester vorzuschalten.
 
Eine Ära ging im Jahr 1998 zu Ende. Stefan Weingarten legte nach nunmehr 15 Jahren den Taktstock nieder und wurde zum Ehrendirigenten ernannt. Nachfolger von Stefan Weingarten wurde Arnim Klüser, von Beruf Instrumentallehrer für das Fach Flöte.

Aus vielschichtigen Gründen währte das Engagement Arnim Klüsers jedoch nur ein Jahr und so musste schnell nach einer Alternative gesucht werden. Gefunden wurde sie in Ewald Metzger aus Much, seinerzeit 1. Tubist beim Musikkorps der Bundeswehr in Siegburg. Seit 1999 dirigiert Ewald Metzger nun den Musikzug.

Aus der Tätigkeit Ewald Metzgers bei dem Musikdienst der Bundeswehr resultierte auch die Idee, das Musikkorps der Bundewehr zu Benefizkonzerten nach Wenden einzuladen. Das Musikkorps ist dieser Einladung 2002 und 2005 gerne gefolgt. Die Erlöse dieser Konzerte kamen der Lebenshilfe und dem Förderverein der Musikschule Wenden zu Gute.

Einen weiteren gewichtigen Wechsel gab es im Jahr 2000. Rudi Winnersbach, 15 Jahre an der Spitze des Vereins, trat in die zweite Reihe zurück, steht dem Vorstand aber bis heute als Ehrenvorsitzender mit Rat und Tat zur Verfügung. Seit dieser Zeit führt Markus Grebe als Vorsitzender den Musikzug und setzt damit die Kontinuität an der Vereinsspitze fort.

Als besonders attraktiv haben sich die Serenadenkonzerte des Musikzuges herausgestellt. Erstmals 2007 auf dem Marktplatz in Wenden durchgeführt, sind sie schon zum festen Bestandteil des Jahresprogramms geworden. Pünktlich eine Woche vor Kirmesbeginn und bei schönem Wetter füllt sich der Wendener Marktplatz bis auf den letzten Platz mit Besuchern, die bei angenehmer Atmosphäre gute Blasmusik genießen wollen.

Mit folgenden Worten aus der Festschrift „10 Jahre Musikzug Wenden“, dessen Inhalt auch heute nichts an Aktualität verloren hat, soll dieser kurze historische Abriss enden:

Von vielen großen und kleinen Ereignissen, von Problemen und Erfolgen ließe sich noch erzählen, von kostbaren Erinnerungen und von wertvollen Erfahrungen, von hilfreichen Kritikern und liebenswürdigen Weggefährten. Wie es in seiner Satzung heißt, dient der Musikzug weiterhin „der Erhaltung, Pflege und Förderung der Musik und des musikalischen Brauchtums“.

historie1
Stefan Weingarten, Thomas Giesen, Josef Schulte,
Wolfgang Sidenstein + (v.l.n.r.)

historie2
Rudi Winnersbach und Stefan Weingarten, 1991

historie3
Auftritt im Pfarrheim, 1985

historie4
Marschprobe am Konrad-Adenauer-Schulzentrum

historie5
Tanzmusik "Tonight" in der ersten Besetzung

historie6
Musikzug Wenden im Jahr 1991, Wendener Hütte

historie7
Schützenfest Hünsborn, 1995

historie8
Landesorchesterwettbewerb 2003 in Wuppertal

historie9
Der "Heidschnuckenchor" unter der Leitung von
Ludwig Grünewald

historie10
Ausflug nach Hamburg, 1994

historie11
Der Musikzug beim Schützenfest in Elspe

historie12
Konzert des Jugendorchesters im Ratssaal Wenden 2008

historie13
Ewald Metzger bei einer Probe am 01. April 2007

historie15
Markus Grebe und Reinhilde Brüser bei der
Vorstellung des Plakates zum Benefizkonzert des
Musikkorps 2005

historie16
Rosenmontagszug in Schönau 2009

Go to top